Hallo ihr da,ss 124 3

hier bin ich – Euer Joseph! Ich bin noch nicht sicher, ob das schon mein Happy End ist, daher hier mal ein Zwischenbericht. Wahrscheinlich nicht, denn es gibt noch so viel für mich zu lernen und das macht mir auch immer noch Angst.
Vor 6 Wochen wurde ich in diese Plastikbox gelockt und stieg nach vielen Stunden in einer ganz fremden Umgebung wieder aus. Da guckte mich gleich ein fremder Hund an, heute weiß ich, das ist Picasso mein großer Bruder und der ist ganz lieb zu mir. Dann waren da auch noch zwei fremde Menschen, aber doch irgendwie kenne ich die Gerüche!? Und zum Glück sehe ich auch Tante Carole, was bin ich froh.


Alles ist ganz anders hier, da laufen überall Katzen herum, es riecht alles ganz anders und sieht anders aus. Ich habe mir das alles genau angesehen auch den Garten. Dann gab es einen Napf mit Fressen, gleich neben Picasso, da konnte ich mich gut verstecken. Aber auch heute noch muss ich immer aufpassen und bin zur Flucht bereit wenn es den lecker gefüllten Napf gibt. Zu tief steckt in mir drin, dass mir beim Fressen Böses widerfahren ist.

Die erste Nacht in dieser Fremde durfte ich bei Tante Carole im Zimmer schlafen, aber danach musste ich umziehen, dahin wo auch meine neuen Eltern schlafen- ich bin mir immer noch nicht ganz sicher was Eltern sind - aber meine sind wohl die zwei Menschen bei denen ich jetzt lebe.

Dann sind wir alle gemeinsam nach draußen gegangen, zum Glück konnte ich ein Auto springen, ich fahre gern Auto und auf einer wunderbaren Wiese sind wir dann herumgelaufen. Das war ganz schön aufregend.

Eines Abends kam Tante Carole nicht mehr zurück, ich habe noch einen ganzen Tag auf sie gewartet und war sehr traurig. Aber das Leben ging weiter und ich habe nach vorne geschaut und gemerkt, dass meine Eltern auch ganz nett zu mir sind.

Und was soll ich sagen, wir alle haben schon so viel erlebt und so langsam macht mir mein Leben in einer Familie richtig Spaß. Auf meiner Wiese darf ich immer ganz viel Laufen und Springen. OK nur an der Schleppleine, aber das ist besser, als wenn ich eingefangen werden muss. Ich liebe das Laufen und wenn ich so frei bin, dann trage ich den Schwanz auch immer ganz hoch. Aber besser ist, ich habe meine Eltern und Picasso immer im Blick, nicht, dass sie eines Tages auch nicht mehr wiederkommen.

Mit den Katzen vertrage ich mich super gut, inzwischen habe ich auch keine Angst mehr vor denen und wenn sie mir zu nahe kommen wenn ich was Leckeres kaue, dann knurre ich auch schon mal. Manchmal mache ich wohl auch etwas falsch, als ich neulich auf der Küchenarbeitsplatte stand wurde ich angezischt – was wollten die wohl von mir?

Ab und zu überkommt mich sogar die Spiellust, dann schnappe ich mir was ich finde, ob Decke oder Kissen oder eines von meinen Spielzeugen und kaue darauf genüsslich herum. Und ganz toll ist es wenn meine Eltern mich kraulen. Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Obwohl ich noch immer vorsichtig bin und nur ganz langsam näher komme, nur so, dass sie auch an meinen Kopf herankommen. Es könnte ja sein, dass sie nach mir Greifen und diese Greifhände machen mir immer noch große Angst.

Ich glaube aber, ich habe es ganz gut getroffen. Aber immer noch gibt es plötzliche Geräusche, die mir Angst machen und manche Tage geht es mir auch gleich morgens nicht so gut, da wache ich schon mit Angst auf und werde irgendwie nicht ganz so locker.

Zur Nacht werde ich dann immer noch in den Schlaf gestreichelt, da lege ich auch gerne meinen Bauch nach oben und habe gar keine Angst, es ist dann so ruhig und im Dunkeln sieht mich ja auch keiner. Auch sonst gibt es inzwischen viele Momente, in denen ich mein Leben in vollen Zügen genieße. Und die anderen Momente.... da brauche ich noch etwas Zeit, aber ich habe das Gefühl, die geben meine Eltern mir.

Und nun sagt Ihr mir, ist das schon das Happy End? Ich denke nein, denn das Leben kann noch viel schöner werden!

Bis bald wieder

Euer „special boy" Joseph